80 Jahre Städtischer Musikverein Meppen e.V.
Ein historischer Überblick von Alfons Gels
Gegründet wurde der Chor schon im Januar 1946 mit ca. 100 Sängerinnen und Sängern, u.a. Mitgliedern des ehemaligen „Musikverein Meppen“. Die Initiative kam vom damaligen Bürgermeister der Stadt Meppen, Wilhelm Warren, und Heinz Schäfer-Sandhage, der die Leitung des neuen Chores übernahm.
Das erste Chorkonzert wurde bereits am 2. Dezember 1946 in der Aula des Lyzeums in der Burgstraße aufgeführt. Einen ersten großen Höhepunkt bildete am 8. Mai 1949 die Aufführung der 9. Symphonie von Ludwig van Beethoven in der Fliegerhalle des Kruppschen Schießplatzes in Meppen. 1950 folgte die „Johannes-Passion“ von J. S. Bach. Am 11. März 1951 stand das „Requiem“ von G. Verdi aus Anlass seines 50. Todestages auf dem Programm.
Auch die Freilichtbühne Meppen wurde zum Aufführungsort gewählt. So wurde im August und September 1951 die Oper „Der Freischütz“ von C. M. von Weber mit großem Erfolg aufgeführt. Etwa zehntausend begeisterte Zuschauer aus allen Teilen des Emslandes und sogar aus den benachbarten Niederlanden erlebten in 4 Aufführungen einen unvergesslichen „Freischütz“. Allein zur Premiere wurden von der Polizei 190 PKW und 28 Omnibusse gezählt! Weitere Konzerte dort waren z.B. das Oratorium „Die Schöpfung“ von J. Haydn, die Operetten „Schwarzwaldmädel“ (L. Jessel), „Der Vogelhändler“ (C. Zeller), „Im weißen Rössl“ (R. Benatzki) u.a.m.
Ein weiterer großer Höhepunkt wurde die erneute Aufführung L. van Beethovens „9. Symphonie“ zur 600-Jahr-Feier der Stadt Meppen. Die weltbekannte Pianistin Prof. Elly Ney spielte bei diesem Festkonzert vorab Beethovens 5. Klavierkonzert Es-Dur mit höchster Bravour. Darauf folgte die „Neunte“ nach 10 Jahren zum zweiten Mal in Meppen. Sowohl in den 3 Instrumentalsätzen als auch im großen Finalsatz mit der „Ode an die Freude“ vollbrachten alle Musiker eine Meisterleistung!
Auf der Nordseeinsel Norderney führte der Städt. Musikverein Meppen am 17. Juni 1965 „Carmina Burana“ von Carl Orff auf. Es war Heinz Schäfer-Sandhages letztes Konzert mit seinem Chor. Er zog 1965, nach der Pensionierung als Direktor der „Musikschule des Emslandes“ mit seiner Familie nach Meinerzhagen im Sauerland. Karl Schäfer übernahm vom 1. Oktober 1965 bis zum 1. April 1966 die Leitung des Chores. Ihm folgte vom 1. April 1966 bis 1970 Gustl Huuck, der in dieser Zeit die Voraussetzungen schuf, dass 1968 erstmals ein Konzert einheimischer Musikvereinigungen in das Konzertprogramm der Theatergemeinde für den Landkreis und die Stadt Meppen aufgenommen wurde.
Carl Orffs „Carmina Burana“ und Bachs “Weihnachtsoratorium” waren die letzten Konzerte mit Gustl Huuck. Im Februar 1970 übergab er die Leitung an Bernd Schmale. Schon im September 1970 gab der 24-jährige Dirigent mit seinem „Opernabend“ ein vielversprechendes Debüt. Besondere Wegzeichen seines Wirkens sind die Aufführungen von Händels „Der Messias“, J. Haydns „Die Schöpfung“ (u.a. mit der berühmten Sopranistin Agnes Giebel), L. Jessels Operette „Das Schwarzwaldmädel“ (Freilichtbühne Meppen), Mozarts „Requiem“, A. Dvoraks „Stabat Mater“. Erfolgreich war auch die Zusammenarbeit mit dem Sinfonieorchester der Musikschule des Emslandes. Eine schwere und heimtückische Krankheit setzte seinem jungen Leben und erfolgreichem Wirken ein jähes Ende. Bernd Schmale starb am 17. November 1983 im Alter von nur 38 Jahren.
Nach dem plötzlichen Tod von Bernd Schmale übernahm Ernst Neuhäuser im Januar 1984 vorübergehend die musikalische Leitung des Chores und führte in seiner 1-jährigen Chorarbeit Werke von J. Haydn und F. Mendelssohn Bartholdy auf. Im April 1985 wurde Hanno Pieper das Dirigat übertragen. Sein erstes Konzert wurde am 1. Juni 1986 aus Anlass des 40jährigen Jubiläums des Städtischen Musikvereins Meppen mit Werken von W. A. Mozart in der Propsteikirche Meppen aufgeführt. Dieses Konzert wiederholte der Musikverein am 7. September 1986 als Festkonzert „75 Jahre Kirchweihe des Harener Domes“. Mit Hanno Pieper gab es große Konzerte wie „Judas Maccabäus“ (Händel), „Aus der Welt der Oper“, „Requiem“ (Mozart), „Carmina Burana“ (Orff), „Stabat Mater“ (Dvorak). Sein letztes Konzert mit dem Chor leitete er am 16. November 1994. Das „Requiem“ von Gabriel Fauré und die „Cäcilienmesse“ von Charles Gounod waren auch für die Ausführenden ein schönes Erlebnis. Hanno Pieper war viele Monate vorher mit seiner Familie nach Georgsmarienhütte-Oesede gezogen. Zur Chorprobe an jedem Montag der Woche ist er „treu und brav“ mit dem Auto bei Wind und Wetter nach Meppen und zurückgefahren. Dafür ist ihm der Chor noch heute sehr dankbar. Es bestand übrigens zu ihm und seiner Familie ein sehr gutes Verhältnis, so dass der Chor zweimal bei Piepers zu Besuch war mit sehr viel Spaß und Erinnerungen an die schöne gemeinsame Zeit.
Mit Karl-Bernhard Hüttis konnte der Städt. Musikverein Meppen am 27. Februar 1995 als Nachfolger von Hanno Pieper die 1. Chorprobe abhalten. Es wurde die großartige Sinfonie-Kantate „Lobgesang“ von F. Mendelssohn Bartholdy einstudiert. Die Aufführung erfolgte am 25. Februar 1996 als Jubiläumskonzert „50 Jahre Städtischer Musikverein Meppen“. Es folgten viele große und bekannte Werke. Besonders erwähnenswert sind die Aufführungen des Oratoriums „Paulus“ am 2. April 2000 in der Propsteikirche Meppen, am 13. Mai 2000 in der Heilig-Kreuz-Kirche in Berlin und am 1. Juli in Haselünne. Diese Konzerte wurden mit dem „Jugendorchester der Musikschule Berlin-Charlottenburg“ aufgeführt. Mit eben diesem Orchester folgte das Oratorium „Elias“ von F. Mendelssohn Bartholdy am 6. April in Meppen und am 17. Mai 2003 in der „Gethsemane-Kirche“ Berlin-Prenzlauer Berg. An diese großartigen und erlebnisreichen Konzerte, besonders mit der Reise des Chores nach Berlin erinnern sich alle Beteiligten immer wieder gern.
Karl-Bernhard Hüttis verabschiedete sich mit demselben Werk seines 1. Konzertes, dem „Lobgesang“ von F. Mendelssohn Bartholdy aus Meppen und wurde Kirchenmusikdirektor in der Kirchengemeinde „St. Johann“ in Bremen. Der Chor verabschiedete sich mit dem „Lobgesang“ an seiner neuen Wirkungsstätte von seinem langjährigen Leiter.
Am 14. November 2011 fand die 1. Chorprobe mit dem neuen musikalischen Leiter Balthasar Baumgartner statt. Mit ihm führten wir das Oratorium „Der Messias“ von G.F. Händel am 29. September 2012 in der Propsteikirche Meppen und am 30. September 2012 in der St. Sixtus-Kirche in Werlte auf. Ein besonderes Highlight ergab sich am 18.August 2013. Dadurch, dass Balthasar Baumgartner von 2009 bis 2011 als musikalischer Assistent bei der Kölner Dommusik mit Schwerpunkt für den Mädchenchor am Kölner Dom in Stimmbildung und Chorarbeit tätig war, konnte eine musikalische Gestaltung des „Kapitelamtes“ im Kölner Dom ermöglicht werden. Dieser Gottesdienst wurde live in Bild und Ton über das „Domradio“ übertragen.
Mit Balthasar gab es weitere Konzerte wie z.B. „Elias“ in Meppen und Haren, „Ein Deutsches Requiem“ von Brahms (war ein besonderes Erlebnis), dann „Paulus“ in Meppen, oder als Premiere die „Petite Messe Solennelle“ von G. Rossini, in der Ausführung mit Klavier und Harmonium. Den Klavierpart hatte Roland Hagemann (Sohn von Chormitgliede Raimund Hagemann) übernommen. Ein außergewöhnlich schönes Konzert. Mit einer sehr markanten Darbietung des Oratoriums „Die Schöpfung“ von Joseph Haydn hat der Chor am 25. November 2018 in der Propsteikirche seinen musikalischen Leiter Balthasar Baumgartner frenetisch verabschiedet. Auch das Publikum hat ihn ungern gehen lassen müssen!
Sein Nachfolger wurde Ansgar Kreutz. Als Regionalkantor des Bistums Osnabrück war er u.a. für den Chor zuständig. Jedoch erwies sich nach kurzer Zeit, dass eine fruchtbare Zusammenarbeit mit ihm nicht möglich war. Somit musste der Städtische Musikverein Meppen eigens einen neuen Leiter suchen. Der Niederländer Lubertus Leutscher wurde ab 1. August 2019 mit dieser Aufgabe betraut. Er war dem Chor schon seit langem durch gemeinsame Konzerte mit dem von ihm gegründeten „VKSO Veenkoloniaal Symfonie Orkest“, z.B. „Music in the Woods“ in Odoorn (NL), der„Klassiknacht“ in Haren und dem „Neujahrskonzert“ ebenfalls in Haren bekannt. Auch er war auf der Suche nach einem großen Chor in Deutschland (Grenznähe zu den Niederlanden). Und so war die Verbindung hergestellt. Es folgten beeindruckende Konzerte wie das „Stabat Mater“ von Karl Jenkins oder das „Dettinger Te Deum“ von G.F. Händel. Im Frühjahr 2025 begeisterte erneute der „Lobgesang“ von F. Mendelssohn Bartholdy die Meppener Zuhörer in der Propsteikirche. Das „Stabat Mater“ von Jenkins wurde dann am 14. Juni 2025 zusammen mit dem „VKSO Chor“ in der großen „Martinus-Kirche“ in Groningen (NL) noch einmal aufgeführt. Auch die Welturaufführung einer Symphonie des Komponisten Cornelis Dopper zusammen mit zahlreichen niederländischen Sängern wurde ein bleibendes Erlebnis.
Wir, die aktuellen Mitglieder des Städt. Musikvereins Meppen sind stolz auf 80 Jahre unseres Vereins und den mutigen Gründern im Jahr 1946 dankbar! Unser Dank gilt auch den unzähligen fleißigen Helferinnen und Helfern im Hintergrund, ohne die die jeweiligen Konzertaufführungen unmöglich gewesen wären. Zahllose engagierte Chormitglieder haben darüber hinaus in all den Jahren während der Vorstandssitzungen viel Zeit mitgebracht und Verantwortung übernommen. Jahrzehntelange Mitgliedschaften zeugen davon, wie oft der Chor zu einer Herzensangelegenheit wurde.
Der Schwerpunkt unseres Vereinslebens war immer die Musik. Aber auch die Gemeinschaft und das gesellschaftliche Leben waren die Begleiter. Man denke hierbei an die auswärtigen Konzerte, die immer mit einem Standortwechsel verbunden waren und dabei Spaß und Freude eine große Rolle spielten. Oder die alljährlichen „Maigänge“, die auch sehr oft erst im Herbst stattfanden. Weiterhin auch zu erwähnen die vor einem Konzert anberaumten „Proben-Wochenenden“ als Intensivproben, die meistens außerhalb von Meppen organisiert wurden. Da waren dann noch zum Jahresschluss die Weihnachtsfeiern, die in den früheren Jahren mit Geigenspiel (Walter Pischl), Chor- u. Sologesang und eigene Gedichte des Chormitglieds Heinz Zimmermann große Freude bereiteten.
Alle aktiven und auch passiven Mitglieder blicken mit Freude und Stolz auf unsere Leistung als Laienmusiker, die wir zu diesem Jubiläum beitragen konnten und gleichzeitig Musikkultur in unserer Stadt Meppen u. anderen Orten mitgestaltet haben. Der Dank dafür war immer der große Beifall des Publikums!
